Leben versus Existenz

Was ist es, was wir als Leben verstehen? Ist das kontinuierlichen Abarbeiten von Tasks im Alltag wirklich das, was wir als Leben bezeichnen können? Was sind das für Aufgaben und Beschäftigungen jeden Tag, sie uns hektisch durch den Tag treiben? Oft sind es nur ganz wenige, die wir für uns erledigen. Zumeist sind es Aufgaben, die wir für andere Menschen erledigen, für Zielsetzungen, die man uns suggeriert hat.

Viele Menschen sprechen vorschnell von »Leben«, wenn sie ihre aktuelle Situation und ihre Pläne beschreiben, sich dabei oft auch noch sehr in ihrer Vergangenheit befinden. Das Leben ist die Summe unserer Erfahrungen. Gehen wir von dieser erstaunlich einfachen Herangehensweise einer Definition aus, dann überlege ich sofort, welche Erfahrungen das wohl wären? Ich bin dann zunächst entsetzt. Aufstehen, Waschen, Frühstück in Hast, zur Arbeit hetzen, seine Aufgaben erledigen, einen guten Eindruck machen wollen, Mittagessen hastig zu mir nehmen, weiter Aufgaben Fremder übernehmen, Überstunden, müde heimwärts hetzen, Abendessen, waschen, Flimmerkiste und Bett und das alles Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Hat man dann Urlaub oder frei, packt man sich diese Zeit dann mit seinen eigenen Aufgaben voll. Aufgaben für scheinbar sinnvolle Ziele. Doch wie sinnvoll sind diese Ziele denn wirklich? 

So ähnlich sehen viele Erfahrungsinventuren aus. Schnell wird einem klar, dass dort nicht viel Platz für die Erfahrung »Leben« ist. Für Achtsamkeit, Enschleunigung und Zeit für sich Letztlich exisitiert man nur noch. Mit der Zeit verliert man körperlich und nervlich Kraft. Perspektivlosigkeit stellt sich ein. Mangelnde Wertschätzung und das Gefühl, stets nur für andere leisten zu müssen, sie konditionieren uns damit nicht selten in eine Depression oder einen Burnout. Dann geht nichts mehr. Der Körper lehnt sich gegen diesen Raubbau und die mangelnde Freiheit auf. Denn nichts anderes ist der Tausch des Lebens, gegen eine bloße Existenz in Angst, den anderen und mir selbst nicht zu genügen. Über viele Jahre hinweg hat sich ein Verhalten zu einem gelernten Verhalten etabliert, das uns in eine ungesunde Position gerückt hat. Wir sind nicht mehr im Flow. Wir müssen wohl aufwendig umlernen...

© Alexander Rossa 2019

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